Flieder
Syringa vulgaris
(Oleaceae)
GR-Fr, 💧1-2, ☀️so-hs, 300-500 cm, V-VI
Lehmig-sandig, humos, pH +/-7, NPK+(+Ca), Z5,
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Meine beiden Flieder, weiß und purpur-violett, wachsen seit 25 Jahren im Vorgarten praktisch ohne Pflege, und doch blühen sie im Mai und Juni jedes Jahr was das Zeug hält. Die seit dem 16. Jahrhundert bei uns eingebürgerten Gehölze sind ökologisch umstritten, weil sie nicht wirklich viel für Insekten zu bieten haben, genauso wie die Forsythie. Außerdem wuchern sie gerne. Trotzdem: Flieder ist nicht gleich Flieder. Der japanische Flieder (Syringa reticulata) ist offenbar ein ganz anderes Kaliber und sollte überhaupt nicht gepflanzt werden. Das gilt ebenso für Schmetterlingsflieder, die wirklich als Ruderalpflanzen zur Plage werden können und die wichtigen, einheimischen Futterpflanzen für Insekten den Platz streitig machen.
Willst Du einen naturnahen, insektenfreundlichen Garten anlegen, solltest Du keinen Flieder pflanzen, egal welcher Art. Da gibt es viele herrliche Alternativen: Holunder, Wildobstgehölze und die wunderbaren Wildrosen! Entfernen lassen sich einmal eingewachsene Flieder auch sehr schlecht, man hat schon genug zu tun mit dem jährlichen Zurückdrängen der vielen Bodentriebe.
Syringa vulgaris , Gemeiner Flieder/Edelflieder © garten-puk.de
Pflanzen
Wenn es denn sein muss: meist wird zu veredelten Sorten mit intensieven Blütenfarben gegriffen. Dabei darf die Veredelungsstelle nicht zu tief gepflanzt, entwickelt die Unterlage schnell Wurzeln und überwuchert den veredelten Teil. Der 'Knubbel' sollte deshalb immer einige Zentimeter über dem Boden liegen.
Insbesondere Wildflieder entwickelt mit den Jahren starken „Wurzeldruck“, das sollte man bei der Wahl der Partner berücksichtigen. Es spricht meiner Meinung nach gegen eine Verwendung in Hecken. Was den Boden betrifft, ist er nicht sehr anspruchsvoll. Besonders gut eignen sich jedoch Böden, die einen pH Wert zwischen 5,5 und 7 haben und gut durchlässig und humos sind. Kalk ist sehr willkommen.
Pflegen
Hier gibt es nur wenig zu tun: Nach der Pflanzung sollte im ersten Jahr gut gegossen werden. Ist der Boden sehr mager kann ein phosphorbetonter Dünger verabreicht werden, meist ist davon jedoch vorhanden. Zu viel Stickstoff fördert das Wachstum, nicht aber die Blütenbildung.
Gelegentlich welken bei Fliedern die Triebspitzen (Bakterielle Erkrankung) oder die Blätter bekommen dunkle Flecken und werden wie von innen aufgefressen. Damit wird die Pflanze in aller Regel selbst fertig, man hilft ihr aber, wenn man die betreffenden Teile alsbald zurückschneidet. Bakterielle Erkrankungen sollten über die Jahre immer beobachtet werden.
Vermehren
Das besorgt Flieder normalerweise selbst. Aus einem Büschlein wird schnell ein ordentliches Gebüsch, wenn die Nachbarn das schön finden, ist es auch in Ordnung. Wilde Flieder sind einfach durch Ableger und Steckhölzer zu vermehren, veredelte Sorten sollten in einer Baumschule erworben werden (da sollte man sich auch zu Alternativen beraten lassen).
Schneiden
Sind die Gehölze ein paar Jahre alt, wäre es durchaus angebracht sie regelmäßig zu schneiden, insbesondere dann, wenn sie nicht wuchern sollen. Wildflieder, so schön er ist, kann durchaus Arbeit machen: Die Wurzel-Ausläufer lassen sich zwar erst einmal bodennah abschneiden, kommen aber jedes Jahr kräftiger wieder. Will man das nicht, muss man sie ausgraben oder eine Wurzelsperre einbauen.
Nach der Blüte obligatorisch: das Ausschneiden der Samenstände und gleichzeitig ein leichter Formschnitt. Dürres Holz muß weg und die Triebe können auf 3 Augen zurückgeschnitten werden, so genau nehme ich das allerdings nicht. Dicke Äste können bis auf einen Meter zurückgeschnitten werden, allerdings blüht dort für ein Jahr nichts. Stärkere Schnittmaßnahmen werden natürlich in der winterlichen Ruhezeit vorgenommen.
Wird Wildflieder gepflanzt, sollte man wissen, worauf man sich einläßt. Einen alten Flieder ganz und gar zu entfernen, erfordert Muskelkraft, denn der Wurzelstock bildet tiefgehende Wurzeln und mehrere Meter lange Ausläufer. Das spricht für veredelte Flieder; offenbar ist es möglich auf Unterlagen zu veredeln, die unterirdisch nicht so starkwüchsig sind.
Lieblings-Sorten
Syringa vulgaris ‚Alba‘ (Wildflieder), weiß, 300-500 cm, V-VI
Syringa vulgaris ‚Andenken an Ludwig Späth’, dunkel purpur-violett, 300-500 cm, V-VI
(Sog. ‚Edelflieder‘, veredelte, sehr farbintensive, alte Sorte. Wurzeltriebe meist aus Veredelungsunterlage)
Traum-Partner
Der starke, sehr dichten Wurzeln machen es Partnern schwer. Sie bieten keine Umgebung für Rosen und andere empfindlichere Blühgehölze. Auf der sicheren Seite ist man mit Vinca minor, Beinwell und Efeu (Achtung! Wuchert ebenfalls). Diese Unterpflanzung leidet auch nicht, wenn Wurzeltriebe ausgegraben werden, alles wächst schnell wieder zu. Selbst Blumenzwiebeln haben es unterm Flieder schwer: robuste ‚Osterglocken‘ sind bisher die einzigen, die ein paar Jahre überlebt haben.
Pflegeplan
| Vorfrühling II-III | Frühling IV-V | Sommer VI-VII | Spätsommer VIII-IX | Herbst/Winter XI-I |
|---|---|---|---|---|
| RS | Wurzeltriebe ausgraben | Blüten ausschneiden | - | - |

